Erster österreichischer Puliclub

Geschichte des Puli

Tontafeln, deren Alter auf ca. 7000-8000 Jahre geschätzt wird, zeigen bereits einen Puli, wie wir ihn heute kennen. In der neueren Literatur wurde der Puli erstmals 1751 als „Ungarischer Wasserhund“ erwähnt. In dem 1901 erschienen Buch „Welt der Tiere“ beschreibt L. Mehely einen Hütehund, der dem Puli sehr nahe kommt.

Größten Anteil an der Bewahrung der Rasse hatten zu jener Zeit die Schäfer, die für einen wirklich guten Puli bis zu einem Jahreseinkommen ausgaben. Größten Wert wurde damals auf Gelehrigkeit und gute Hüteeigenschaften gelegt. Ein Puli, der den hohen Ansprüchen der Schäfer nicht gerecht wurde, wurde zum „Hund“ degradiert und abgegeben. Ein Puli war schon etwas besonderes. Diese harte Auslese trug dazu bei, daß der Puli noch heute als einer der besten Hütehunde gilt.

Die organisierte Zucht der Rasse begann anfangs des 20. Jahrhunderts, doch es dauerte sehr lange, bis sich die Schäfer von der Nützlichkeit derselben überzeugen ließen. Erst als man für sie interessante Preise wie Stiefel, Kleidung und andere nützliche Dinge als Siegespreise aussetzte, besuchten sie mit ihren Hunden die Zuchtschauen.

Vor dem ersten Weltkrieg setzte sich Dr. Emil Raitsaits von der Veterinärmedizinischen Universitätsklinik Ungarns sehr für die Rasse ein, indem er Fahrten über das ganze Land organisierte, um gute Pulis für das neuangelegte Zuchtbuch aufzustöbern. Sein Helfer Adolf Lendl richtete im Budapester Zoo eine eigene Abteilung für Ungarische Hirtenhunde ein und führte unter dem Zwingernamen „Allatkerti“ (Tiergarten) ein Zuchtprogramm durch. Diese Abteilung im Budapester Zoo gibt es heute noch. Dr. Raitsaits gründete einen Verein zur Zucht der Ungarischen Hirtenhunde.

Durch die ungarischen Gebietsverluste nach dem 1. Weltkrieg an die CSSR, Rumänien, Rußland und Jugoslawien gingen viele Pulis samt ihrer Herden für Ungarn verloren. 1924 gründete Dr. Raitsaits wiederum einen Klub, um die Zucht von ung. Hirtenhunden erneut zu organisieren. Mit Unterstützung öffentlicher Stellen gelang es ihm, dem Puli bekannter zu machen. Mehr und mehr hielt der Hütehund auch Einzug in Stadtwohnungen.

Um die Gelehrigkeit des Pulis auch für die Polizei nutzbar zu machen, züchtete man Hunde, die etwa 50 cm groß waren. 1933 belegte ein ung. Puli auf einem Internationalen Polizei-Hundewettbewerb den ersten Platz und verwies Deutsche Schäferhunde, Boxer und Dobermänner auf die Plätze.

Um dem mittlerweile gewachsenen Größenunterschied der Rasse Rechnung zu tragen, gab man 1935 einen neuen Standard heraus. Darin waren die Größen- bezeichnungen Großer- oder Polizeipuli (über 50 cm), Mittelgroßer Puli (40-49 cm), Kleiner Puli (30-39 cm) und Toy-Puli (unter 30 cm) zu finden. Da diese Regelung jedoch keine Verbesserung der Rasse brachte, wollte man sie bald wieder rückgängig machen.

Dies verhinderte jedoch der 2. Weltkrieg, der die schwerste Zeit für die Puli-Zucht in Ungarn war. Die deutschen und später auch die russischen Soldaten schossen hunderte von wachsamen Pulis nieder, die Haus und Hof verteidigen wollten. Die Hungersnot und der Arzneimangel taten ein Übriges, die Puli-Zucht war am Ende.

Frau Ilona Orlay, die frühere Assistentin von Dr. Raitsaits, zog damals mit einem Handwagen durch das brennende Budapest, um die Unterlagen aus dem Büro des ung. Zuchtverbandes in Sicherheit zu bringen. Sie sollten sich später als sehr wertvoll für die Weiterzucht der Ung. Hirtenhunde zeigen.

Erst im März 1948 wurde mit einer kleinen Hundeausstellung der erste zaghafte Versuch unternommen, einen Überblick über die verbliebenen Zuchthunde zu bekommen. Ab 1950 ging es dann mit der allgemeinen Hundezucht in Ungarn wieder aufwärts, jedoch war sie noch bis zur Revolution 1956 eingeschränkt. Danach konnten auch wieder Hunde in andere Länder exportiert werden, was der Zucht einen nicht immer positiven Auftrieb gab, da auch einige Geschäftemacher das große Geld witterten. 1960 wurde endlich die längst fällige Neuformulierung des Standards durchgeführt.

Jetzt erreichte der Puli in Ungarn wieder die Verbreitung, die er vor dem 2. Weltkrieg hatte. Daß Schäfer heute ihre Pulis bei organisierten Züchtern holen, ist ein großes Lob für deren Arbeit. Schließlich waren und sind es noch immer die Schäfer, die auf Qualität achteten. In der Bundesrepublik ist der Puli nicht sehr verbreitet. Die wenigen Züchter müssen weite Anfahrten in Kauf nehmen, um einen passenden Partner für ihre Hündinnen zu finden. Trotzdem, unsere Pulis können sich durchaus mit den ungarischen Verwandten messen.